Beitrag der Wirtschaft/der Arbeit
zum Strukturwandel der Zwischenstadt


In den deutschen Stadtregionen war die siedlungsstrukturelle Entwicklung der vergangenen 25 Jahre durch eine anhaltende Arbeitsstättensuburbanisierung gekennzeichnet. Durch die Einbeziehung von immer mehr Branchen und Funktionsbereiche in den siedlungsstrukturellen Dekonzentrationsprozess erfolge eine "funktionale Anreicherung" der raumwirtschaftlichen Struktur des suburbanen Raumes bzw. der Zwischenstadt.


Die Herausarbeitung der Triebkräfte raumstruktureller Veränderungsprozesse am Beispiel der Stadtregion Rhein-Main steht im Mittelpunkt der Arbeit. Dabei sollen vor allem die folgenden Fragen geklärt werden: Welches sind die Triebkräfte und die entscheidenden Träger der Arbeitsstättensuburbanisierung? Hat sich in der Folge einer "funktionalen Anreicherung" in der Zwischenstadt eine eigenständige ökonomische Dynamik entfaltet oder ist deren Entwicklung immer noch von der Kernstadt abhängig? Welche funktionalen Verflechtungen und siedlungsstrukturellen Ausprägungen haben sich innerhalb der Stadtregion in den letzten Jahren entwickelt? Gibt es neben den Suburbanisierungsprozessen auch Tendenzen einer Re-Urbanisierung?


Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen wurde bzw. wird die raumwirtschaftliche Struktur der Untersuchungsregion anhand verschiedener Indikatoren wie Beschäftigtenentwicklung, Tätigkeitsstrukturen, Qualifikationsrepertoires, Pendlerverflechtungen etc. auf mehreren Forschungsebenen analysiert.


Durch die Analyse von Pendlerströmen konnte im ersten Forschungsjahr aufgezeigt werden, dass die Rhein-Main-Region ein polyzentrischer, funktional differenzierter Verdichtungsraum ist, der sich durch enorm starke intraregionale Verflechtungen auszeichnet. Neben den Kernstädten der Region besteht eine Vielzahl von weiteren Arbeitsorten, die sich archipelartig über die Region verteilen. Die Stadtregion Rhein-Main wird durch ein vielschichtiges Patchwork aus Arbeits- und Wohnorten gebildet. Innerhalb dieser polyzentrischen Zwischenstadtstruktur bestehen sehr starke Verflechtungen. Das Arbeitsplatzangebot einzelner Gemeinden wird vielfach kaum von der ortsansässigen Bevölkerung nachgefragt. Dadurch sind die meisten Arbeitsorte nicht nur Ziel von Einpendlern, sondern gleichzeitig Quelle von vielen Auspendlern.


Durch eine weitere Annäherung an die raumwirtschaftlichen Strukturen der Beschäftigungsentwicklung wird deutlich, dass die Verteilung der Arbeitsorte im Raum keineswegs einer diffusen Dezentralisierung folgt, sondern dass die sich herausbildende polyzentrische Regionsstruktur sehr stark durch eine Wechselwirkung mit der Transformation der tradierten Stadtzentren in der Rhein-Main-Region geprägt ist. Die Beschäftigungsentwicklung innerhalb der Region pulsiert insbesondere in den von uns so genannten Erweiterungsbereichen der Kernstädte. Diese finden sich zwischen den Städten Wiesbaden und Frankfurt sowie Frankfurt und Darmstadt. Bei der Analyse der Gesamtbeschäftigtenentwicklung zeigt sich eine Verdichtung und siedlungsstrukturelle Verknüpfung verschiedener neuer Arbeitsorte und alter Kernstädte hin zu einem mehr oder weniger verbundenen Kernbereich. Dabei sind insbesondere die direkt an das "alte Zentrum" Frankfurt angrenzenden Gemeinden wie Bad Homburg, Eschborn, Kelsterbach und Neu-Isenburg durch besonders dynamische Entwicklungen gekennzeichnet.


Bei einer Analyse des zeitlichen Verlaufes der Beschäftigungsentwicklung in den deutschen Stadtregionen zeichnet sich in den letzten Jahren ein Trendbruch ab. Seit 1997 nahm die Beschäftigung in allen großen Ballungsräumen deutlich stärker zu als in Deutschland insgesamt. Dabei wiesen die Kernstädte, die lange Zeit die eindeutigen Verlierer im räumlichen Strukturwandel waren, (mit Ausnahme von Berlin) eine günstigere Entwicklung auf als ihr Umland. In der Region Rhein-Main werden diese Entwicklungen sehr deutlich sichtbar; neben Darmstadt, Wiesbaden und Mainz hat insbesondere Frankfurt einen starken Aufwärtstrend zu verzeichnen.



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